Landespräventionsrat Niedersachsen
CTC - communities that care

Mut tut gut
Effektivität wahrscheinlich

Programminformationen

Ziel

Kinder sollen durch Wissensvermittlung, Einstellungs- und Verhaltensänderung in die Lage versetzt werden, weder Opfer noch Täter von Gewalt zu werden. Dabei sollen folgende Bereiche verbessert/gestärkt werden:

  • Selbstwertgefühl, selbstbewusste Verhaltensweisen im Alltag  
  • Werte und Normen in den unterschiedlichsten Beziehungen 
  • Umgang mit Gefühlen 
  • Gender Mainstreaming, Reflexion der Geschlechterrollen, Identitätsfindung  
  • Kommunikationsverhalten 
  • frühzeitiges Erkennen drohender Gewaltsituationen 
  • altersangemessener Umgang von Kindern mit Gewaltsituationen  
  • Verhaltensrepertoire entwickeln, um sich deutlich abzugrenzen (Nein sagen) 
  • Konfliktbewältigungsstrategien unter Kindern 
  • Grenzen erkennen, Grenzen akzeptieren, Grenzen setzen, mit Grenzen umgehen 
  • Sensibilisierung für alltägliche Gewalt (z.B. Bedrohung, Erpressung) und die eigene passive und aktive Betroffenheit/ Entwicklung eigener Handlungskompetenz u. Stärke in Konfliktsituationen 
  • Einleitung der Verhaltensänderung durch neue Erfahrungen 
  • Möglichkeiten von Hilfe kennen lernen, annehmen und (ein)fordern
Zielgruppe

Kinder im Alter von ca. 5 bis 10 Jahren (Kinder in Vorschule und Grundschule)

Methode

Unterrichtseinheiten durch Mut-tut-gut-Trainerinnen und Trainer (geschulte Dozenten der VHS sowie Beamte der Polizei).

„Mut tut gut“ ist methodisch auf das Alter der Kinder abgestimmt. Der Unterricht wechselt zwischen praktischen Übungen, Spielen, Geschichten erzählen, Einsatz von Medien, Bildergeschichten, Diskussionen u. a. Die Trainings finden in Gruppen von 8 bis 12 Kindern (Vorschule) bzw. 10 bis 16 Kindern (Grundschule) statt. Empfohlen wird es Kinder aus verschiedenen Klassen und aus den Jahrgängen eins und zwei, bzw. drei und vier in den Trainingsgruppen zu mischen.

Vorschulkinder: in der Regel 2 Unterrichtsstunden an 5 Tagen (z.B.: Montag-Freitag oder 5 Dienstage) zu den Themen:

  1. Normen und Werte, Regeln  "Wie wünsche ich mir, dass man mit mir umgeht, wie gehe ich mit anderen um."
  2. Selbstwert stärken. Starke Kinder, starke Persönlichkeiten werden nicht so leicht Opfer oder Täter/in.
  3. Wahrnehmung orientiert an den Sinnesorganen Intuition, Interpretation
  4. Gute, schlechte und komische Gefühle erkennen, unterscheiden, zuordnen
  5. Handlungskompetenz entwickeln, Konfliktlösungen zu schlechten und komischen Gefühlen, Hilfe holen, weglaufen, stoppen (NEIN-sagen)
  6. Handlungsalternativen bewerten, Konfliktbewältigung Hilfe holen, weglaufen, stoppen (NEIN-sagen) Normen und Werte für ein soziales und gewaltfreies Zusammenleben

Grundschulkinder: in der Regel 4 Unterrichtsstunden an 3 aufeinander folgenden Tagen zu den Themen:

  1. Normen und Werte, Regeln  "Wie wünsche ich mir, dass man mit mir umgeht, wie gehe ich mit anderen um."
  2. Selbstwert stärken. Starke Kinder, starke Persönlichkeiten werden nicht so leicht Opfer oder Täter/in.
  3. Wahrnehmung orientiert an den Sinnesorganen Intuition, Interpretation
  4. Eigene Gefühle und die Gefühle der Anderen erkennen, interpretieren; Intuition
  5. Handlungskompetenz entwickeln. Grenzen erkennen, akzeptieren, setzen und Geheimnisse erkennen
  6. Handlungsalternativen bewerten, Konfliktbewältigung, Hilfe holen, weglaufen, stoppen (NEIN-sagen) Normen und Werte für ein soziales und gewaltfreies Zusammenleben

Das Erziehungs-/ Lehrpersonal hospitiert während des gesamten Mut tut gut-Trainings und wiederholt und intensiviert anschließend die Inhalte, evtl. mit Hilfe des Mut tut gut-Heftes für Vorschulkinder und des Lehrerhandbuches bzw. der Lehrerkarten.

Vorab erfolgt eine Personalinformation (z.B.: Lehrer-, Erzieher/innenkonferenz) und eine Elternabend/ Elterngespräch.

Material / Instrumente
  • Unterrichtsmaterialien im Rahmen des Trainings
  • Mut tut gut-Plakat
  • Mut tut gut-Heft für Vorschulkinder
  • Lehrerhandbuch/-karten für die Grundschule
Ansprechpartner

Arbeitsgemeinschaft emanzipatorische Jugendarbeit
http://www.em-jug.de/kontakt-zur-projektleitung.html

Evaluation

Hövel DC, Schmidt L, Osipov I. Sozialklima in der Grundschule. Zur Wirksamkeit der Gewaltpräventionsmaßnahme Mut tut gut von VHS und Polizei. Prävention und Gesundheitsförderung. Stand Oktober 2018: in Vorbereitung zur Veröffentlichung.

Manuskript liegt dem Landespräventionsrat vor.

Problemverhalten
 
Das Programm wurde am 12.11.2018 in die Datenbank eingestellt
und zuletzt am 23.05.2019 geändert.

Umsetzung und Evaluation

Evaluationsmethode und Ergebnisse

Hövel DC, Schmidt L, Osipov I. Stand Oktober 2018: in Vorbereitung zur Veröffentlichung

In 2016 (Januar bis Juli) wurde eine prospektive Interventionsstudie mit (Warte-)Kontrollgruppe an sieben Grundschulen im Oberbergischen Kreis durchgeführt, die der Interventionsgruppe (IG) oder der Kontrollgruppe (KG) zugeordnet wurden. Insgesamt wurden drei Erhebungen durchgeführt: Vor Beginn der Intervention, drei Monate später direkt nach Ende der Intervention sowie weitere drei Monate später. Die Intervention wurde in den Kontrollschulen erst im folgenden Schuljahr durchgeführt.
An den Erhebungen nahmen in der IG 131 Schulkinder, in der KG 140 Schulkinder sowie jeweils deren Eltern teil. Das Durchschnittsalter lag bei 7,11 Jahren.

Befragung der Schulkinder:
Emotional-soziales Wissen wurde mittels der Subskalen Emotionen erkannen, Emotionen regulieren, soziale Situationen verstehen, sozial kompetent handeln der Intelligence and Development Scales (IDS) erhoben. Aus dem Fragebogen zur Erfassung der emotionalen und sozialen Schulerfahrungen (FEESS) kamen die Subskalen der Dimensionen Sozialklima (soziale Integration, Klassenklima) und Schul- und Lernklima (Lernfreude, Anstrengungsbereitschaft, Schuleinstellung, Gefühl des Angenommenseins) zum Einsatz.

Elternbefragung:
Angaben zum prosozialen Verhalten wurden mittels der entsprechenden Subskala des Strengths and Difficulties Questionnaires (SDQ) erhoben.

Die verwendeten Subsaklen der drei genannten validierten Instrumente können als reliabel interpretiert werden.
Die Wirksamkeitsanalyse wurde mit Hilfe der Latent Difference Score Modelle (LDSM) durchgeführt. In diesem Rahmen werden Mittelwertdifferenzen der statistisch erstellten Konstrukte von IG und KG verglichen.

Zum letzten Messzeitpunkt zeigen sich im Gruppenvergleich für das Sozialklima, das Schul- und Lernklima, das Emotional-soziale Wissen sowie für das Prosoziale Verhalten Effekte zum Vorteil der Intervention, die sich alle als statistisch signifikant erweisen. Dabei zeigt sich für das Sozialklima ein als groß zu interpretierender Effekt (Effektstärke Cohen's d = 1,21 im Vergleich Baseline t0 zu t1), der über die Zeit größer wird (d=1,28 von t0 - t2).  Die Effekte für das Schul- und Lernklima bewegen sich im mittleren Bereich (d = 0,85 von t0 zu t1) und nehmen über die Zeit etwas ab (d=0,32 von t0 zu t2). Der Effekt für das Prosoziale Verhalten wird erst im Rahmen der letzten Erhebung deutlich (d=0,31 von t0 zu t2).

Konzeptqualität

Kriterien sind erfüllt

Evaluationsergebnisse
positiv
Evaluationsniveau und Beweiskraft
3 Sterne, schwache Beweiskraft
Aufwand
mit (€) gekennzeichnete Posten erfordern finanzielle Leistungen an Externe
  • (€) Durchführung der Trainings
  • (€) Lehrerhandbuch/Lehrerkarten
  • zeitlicher Aufwand der Trainings: 10 - 12 Unterrichtsstunden (inklusve Hospitation des Erziehungs-/Lehrpersonals)
  • eher geringer zeitlicher Aufwand für folgende Wiederholung innerhalb des Unterrichtes
erforderliche Kooperationspartner
  • Grundschulen, Vorschulen
  • Qualifizierte "Mut tut gut" Trainerinnen und Trainer
Zeit bis zu erwartbaren Auswirkungen auf Risiko- bzw. Schutzfaktoren

Erfahrungen mit dem Programm

Programm probiert in

Programm durchgeführt an verschiedenen Schulen in NRW


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